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Einführung ins Filmseminar

Das Filmseminar der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel beleuchtet die vielfältigen Funktionen von Spielfilmen während des Nationalsozialismus. Dabei werden keine reinen Propagandafilme wie Jud Süß oder Hitlerjunge Quex vorgestellt, in denen das NS-Regime zentrale Aspekte seiner Ideologie wie die „Rassenlehre“ propagierte oder die „Kampfzeit“ der NS-Bewegung glorifizierte. Viele während des „Dritten Reiches“ produzierten Spielfilme wollten nicht allein indoktrinieren, sondern vor allem die „Volksgemeinschaft“ unterhalten. So kommt etwa der 1937 gedrehte Film La Habanera auf den ersten Blick als reines Melodram daher. Der Film lässt aber keine Gelegenheit aus, die vermeintliche Überlegenheit der „nordischen Rasse“ in Szene zu setzen. Wurde dieser Film noch zu Friedenszeiten gedreht, sind Ohm Krüger, Der Große König und Kolberg Spielfilme mit historischer Thematik, die dem NS-Staat während des II. Weltkrieges als „Aufbau-“ und „Durchhaltefilm“ dienten oder den Kriegsgegner Großbritannien moralisch zu diskreditieren versuchten. Insbesondere die Historienfilme veranschaulichen das nationalsozialistische Geschichtsbild, indem sie die aktuelle NS-Politik mithilfe historischer Deutungen, die sich nicht selten als Geschichtsklitterungen entpuppen, legitimierten.

Die vier Veranstaltungen zum Filmseminar sind eine Kooperationsveranstaltung mit dem „Filmraum“, Müggenkampstraße 45 und finden dort statt. 
Beginn der Vorstellungen ist jeweils 17:45 Uhr.

 

REIHE 

EINZELVERANSTALTUNG

 

Montag, 28. Mai 2018, 18:30 Uhr

Eintritt frei

Widerständiges Frauenleben: Hedwig Voegt

Vortrag von Ursula Suhling

VVN/BdA Eimsbüttel in Kooperation mit der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel

Hedwig Voegt wurde 1903 in Hamburg geboren, wuchs in St.Pauli "im Schatten des Michel" auf - wie sie selbst schreibt - in einer kinderreichen Familie mit vier Brüdern. Der Vater war Klempner. Die schlechte soziale Lage der Familie erlaubte es nicht, Hedwig auf die Oberschule zu schicken. Sie wurde Telefongehilfin, trat 1925 in die KPD ein. Im September 1933 erhielt sie Berufsverbot, danach wurde sie mehrmals verhaftet und wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" für mehrere Jahre ins KZ Kola Fu und Lübeck Lauerhof eingesperrt. Nach der Befreiung erhielt sie die Chance, zum Studium nach Jena zu gehen, sie promovierte zum Dr. Phil., wurde zur Professorin berufen und lehrte bis zu ihrer Pensionierung an der Karl-Marx-Universität Leipzig Literaturwissenschaft.
Die 25 Jahre, die ihr bis 1988 noch blieben, waren ausgefüllt mit Forschungsarbeiten und Publikationen über deutsche Jakobiner. Ihre Werke genießen bis heute in Fachkreisen hohe Anerkennung. Ihre Urne wurde auf dem Ehrenfeld der Geschwister-Scholl-Stiftung auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt.

 

 

Ursula Suhling, geb. 1933 in Hamburg, wuchs im Milieu des Hamburger Widerstands auf. Ihre Eltern wurden mehrfach inhaftiert; Die Mutter Lucie teilte mehrere Jahre eine Zelle mit Hedwig Voegt, ihr Vater Carl hat seinen Einsatz im Strafbataillon 999 nicht überlebt. 2007 erschien ihre Publikation "Rebellische Literatur - Quelle moralischer Kraft. Hedwig Voegt (1903 bis 1988)" in der Willi-Bredel-Gesellschaft. 

REIHE 
SPIELFILME IM NATIONALSOZIALISMUS

 

Dienstag, 5. Juni 2018, 17:45 Uhr

Eintritt 3,00 Euro

Der Große König (1942)

Filmseminar mit Einführung - Teil 3
Veranstatungsort: Filmraum, Müggenkampstraße 45

Der von Veit Harlan in Szene gesetzte Monumentalfilm spielt im Siebenjährigen Krieg (1756–63) nach der Niederlage der preußischen Armee in der Schlacht bei Kunersdorf im August 1759.
Friedrich II. steht vor den Trümmern seiner Kriegspolitik, aus dem Umfeld des sich mit Selbstmordgedanken tragenden Königs werden Stimmen laut, die zur Kapitulation raten. Dennoch entscheidet sich der Monarch für die Fortsetzung des Krieges, dessen Sieg dank der Opferbereitschaft der preußischen Bevölkerung auch errungen wird. Preußen ist gerettet, Schlesien wird preußisch und Preußen etabliert sich dauerhaft als fünfte Großmacht auf dem europäischen Kontinent. Der im März 1942 mitten im II. Weltkrieg uraufgeführte Film sollte vor allem dem psychologischen Aufbau der Bevölkerung dienen, nachdem der Krieg gegen die Sowjetunion im Winter 1941/42 vor Moskau ins Stocken geraten war, Deutschland sich gleichzeitig im Krieg mit Großbritannien und den USA befand und der deutsche Glauben an ein rasches siegreiches Kriegsende – nicht zuletzt angesichts der Luftangriffe auf deutsche Städte – erster Skepsis wich. Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Mai 1945 wurde die Aufführung des Films vom Alliierten Kontrollrat verboten.

 

REIHE 
SPIELFILME IM NATIONALSOZIALISMUS

 

Dienstag, 12. Juni 2018, 17:45 Uhr

Eintritt 3,00 Euro

KOLBERG (1945)

Filmseminar mit Einführung - Teil 4
Veranstatungsort: Filmraum, Müggenkampstraße 45

Die Uraufführung des ebenfalls unter der Regie von Veit Harlan gedrehten „Durchhaltefilms“ fand am zwölften Jahrestag der nationalsozialistischen „Machtergreifung“, am 30. Januar 1945, im Berliner Tauentzienpalast und – symbolträchtig – in der umkämpften „Atlantikfestung“ La Rochelle statt. Als historische Vorlage diente Harlan die Belagerung der Hansestadt Kolberg 1807 durch napoleonische Truppen. Angesichts des sich Anfang 1945 abzeichnenden Kriegsendes, sollte der Farbfilm nach dem Willen von Propagandaminister -Joseph Goebbels den Durchhaltewillen der Deutschen stärken und ihnen anhand eines historischen Beispiels aus der preußischen Geschichte demonstrieren, was die Auflehnung eines geeinten „Volksheeres“ gegen einen übermächtigen Gegner vermag. Die erhoffte Propagandawirkung blieb aus. Das kriegsmüde Publikum schaute sich lieber den Farbfilm Münchhausen an, in dem Hans Albers die Rolle des „Lügenbarons“ spielt. Nach 1945 war der Film verboten und ist bis heute ein Vorbehaltsfilm.

 

Hier können Sie sich über das Programm der anderen Hamburger Geschichtswerkstätten informieren!

www.hamburger-geschichtswerkstätten.de