slider

REIHE SCHAUPLATZ
Aktuelles

15.01.2021 - 04.02.2021

Poröse Hausgeschichten

Maria Hobbing

2. Virtuelle Ausstellung der Schauplatzgruppe



Die Ausstellung ist über diesen Link zu sehen: Poröse Haugeschichten

gefördert vom Bezirksamt Eimsbüttel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da gibt es Windschneisen, gestürzte Denkmäler und maskierte Fassaden, auch eine Blaupause auf wackligen Beinen ist zu finden. Weder Trauminseln noch Sehnsuchtsorte sind in der Ausstellung zu genießen, auch Blaupausen fürs Leben gibt es nicht.

Eines verbindet alle Bilder miteinander, sie bestehen aus oder haben Zwischenräume. Zwischenräume - diese wunderbaren durchlässigen Gespinste, die sich besonders in Häusern mit ihren Verbindungsgliedern - Fenster und Türen, in Vorhöfen, Treppenhäusern und Fluren ausbreiten. Sie ermöglichen nicht nur die Verbindung zwischen dem, was einmal war, gerade ist und sein wird; unermesslich sind sie in ihren Interpretationsspielräumen und wahrscheinlich das Einzige, was wir solange wir lebendig sind, als poröses Polster für unsere Sinne und geistige Teilhabe haben.
Wir selbst jonglieren beim Wahrnehmen zwischen Ebenen, Speichern und Leerstellen. Im Unbewussten unseres Gehirns findet die erhellende Schleife der Kopplung statt. Auch manchmal wird Emergenz gebildet und führt zu Vorhöfen und Kabinetten ungeahnter Vorsehung. In diesen Augenblicken verbindet „Licht“ schnell und wendig Grabungsenden. In einem freischwebenden Zustand ohne Deutungskorsett beginnt dieser energetisch intensive Vorgang, der nicht die direkten, oft nicht die kürzesten Wege anstrebt, und in umkreisender Schwingung auf weit ausgebreiteten Flügeln urplötzlich mit ungeahnter Sicherheit erscheint.

Hier im aseptischen Land des Digitalen, in der virtuellen Form des Ausstellungspanoptikums würden uns Alexa oder Siri nicht überraschen, wenn sie einen Schemel zum Ausruhen bringen. - Ein kurzer Befehl bequem und dienstfertig sind sie zur Stelle! Auch würden sie uns vielleicht an Stelle des Hockers eine bequemere geistige Zwischenraumschaukel anbieten und mit einem dicken „Emergenzpaket“ und vielen praktischen Tools uns von dieser überzeugen?

Im Ausstellungsraum erscheint neben den Bildern das hell erleuchtete, virtuelle „Fenster zum Hof“ gleißend trüb - kein voyeuristischer Blick zum Nachbarn ist möglich. Heute und morgen werden Morde in der Bequemlichkeitsschaukel stattfinden.

Wir navigieren im virtuellen Raum und überlegen, wie die Bilder gemalt sind. Im Hohlspiegelkabinett erhalten wir zwischendrin stimmige oder verzerrte Einblicke - das ist sympathisch unperfekt und etwas surreal.

Maria Hobbing , 10.1. 2021