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Ausstellungen

02.04.2019 - 29.05.2019

Bauhausarchitektur in Lokstedt?

Die Siedlung Julius-Vosseler-Straße/Vizelinstraße/ Beethovenallee/Repgowstieg aus dem Jahr 1931



Die Siedlung wurde während der Weltwirtschaftskrise im Auftrag der Hamburger Siedlungsgesellschaft mbH im damals noch preußischen Lokstedt errichtet. Die Ausführung lag in den Händen der Bauhütte Bauwohl, einer der nach dem Ersten Weltkrieg gegründeten gemeinwirtschaftlichen Baubetriebe, die mit Kapital von gewerkschaftlichen und sozialdemokratischen Organisationen finanziert wurden. Die Anlage umfasst 133 ursprünglich bescheidene zweigeschossige Einzel-, Doppel-, Dreier- und Reihenhäuser. Die Käufer waren Beamte, Angestellte, Handwerker und einige Arbeiter. Etliche von ihnen gehörten der SPD und den Gewerkschaften an.

 

Die Siedlung markiert die Schnittstelle zwischen den an der Gartenstadt orientierten Angestellten- und Beamtensiedlungen der Zwischenkriegszeit und den ab 1932 entstandenen Erwerbslosensiedlungen. Unverkennbares Vorbild war die Siedlung Dessau-Törten von Walter Gropius. Obwohl es sich um die vermutlich einzige Einfamilienhaussiedlung im Bauhausstil auf heutigem Hamburger Gebiet handelt, ist die Lokstedter Anlage – auch in Fachkreisen - weitgehend unbekannt. Lediglich in einer kleinen vom Stadtplanungsamt Eimsbüttel herausgegebenen Broschüre (Autorin Marita Vietmeyer) aus dem Jahr 1998 wurde anlässlich einer Milieuschutzdebatte auf die architektur- und sozialgeschichtliche Bedeutung des Ensembles hingewiesen.

 

Der Entwurf stammt von den jüdischen Architekten Semmy und Bernd Engel und ihrem - bislang wenig beachteten - Kollegen Hermann Rickert. Semmy Engel ist einer interessierten Öffentlichkeit als Baumeister mehrerer Hamburger Synagogen und anderer Gebäude für jüdische Institutionen bekannt. Leben und Werk seines Sohnes Bernd Engel harren in der Hansestadt noch der Entdeckung. In Architekturführern taucht nur die von beiden gemeinsam entworfene Wohnanlage Sophienterrasse/Alsterkamp von 1928/29 auf, eines der schönsten Beispiele des Neuen Bauens in Hamburg. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden Semmy und Bernd Engel verfolgt. Der Sohn floh 1936 nach London, der Vater folgte ihm 1938.

 

2008 erforschten Sielke Salomon und Susanne Lohmeyer für die Geschichtswerkstatt Eimsbüttel die Geschichte der Siedlung und erarbeiteten 27 Ausstellungstafeln und einen bis heute lieferbaren Ausstellungskatalog. Viele Bewohner haben dafür Fotos und andere Dokumente zur Verfügung gestellt. Die Ausstellung ist ein Beitrag zur Geschichte des Bauens und Wohnens im Bezirk Eimsbüttel, zur Alltags- und Sozialgeschichte des Stadtteils und zur Erforschung des Anteils jüdischer Architekten an der Architektur der Moderne in Hamburg. Im Jahr 2019 kann diese als Beitrag der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel zum bundesweiten Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ angesehen werden.

 

Ausstellungskatalog
Eintritt: frei

 

Die Ausstellung wurde bereits 2008 mit großem Erfolg u. a. im Foyer des Bezirksamtes Eimsbüttel und im Staatsarchiv gezeigt und ist jetzt noch einmal vom 2. April 2019 bis 29. Mai 2019 in den Räumen der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel zu sehen: jeweils in den Öffnungszeiten, dienstags und mittwochs in der Zeit von 13.00 bis 18.00 Uhr.

Sonderöffnungszeiten am:
Sonntag, 7. April, 11 - 16 Uhr
Mittwoch, 17. April, 18 - 21 Uhr
Mittwoch, 8. Mai, 18 - 21 Uhr